Navarra - Rosé, Garnacha und beeindruckende Kulissen

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Knapp zwei Monate nach dem letzten Tasting von Navarra-Weinen in Hamburg wurde es zeit die Region selbst zu entdecken. Von Bilbao aus ging die Reise durch das Baskenland nach Pamplona, bekannt durch die Stierkämpfe und die Stier-Läufe im Rahmen der Sanfirmes-Prozessionen. Ernest Hemingway, der die Faszination für diese Rituale im Roman „Fiesta“ verewigt hat, war hier sehr oft zu Gast, somit war einer der ersten Besuche seiner Stamm-Bar gewidmet.

Pamplona liegt weinbautechnisch ganz im Norden der Anbauregion Navarra. Die DO Navarra erstreckt sich im Süden bis Borja, Hauptstadt der kleinen DO „Campo de Borja“, im Südwesten von Navarra beginnt dann gleich das Rioja. Das Klima ist gemäßigt, und wird erst im Süden der DO wärmer - hier liegt die imposante Wüstenregion der Bardenas Reales.

Westlich von Pamplona liegt die Bodega Otazu, ein imposantes Weinbau-Projekt mit eigener Pago-Appellation und zahlreichen Kunst-Installationen. Beeindruckend ist auch die unterirdische Wein-Kathedrale. Die „Vinos de Pago“ als eigene Appellation für ein Weingut ist nicht zu verwechseln mit Weingütern, die zwar „Pago im Namen tragen, aber nicht eine eigene DO tragen dürfen. In Navarra gibt es neben Otazu drei weitere Bodegas mit eigener DO.

Natürlich hat Navarra auch nicht nur Wein zu bieten. An der alten Römerstraße südlich von Pamplona wird in den Salinas de Ort seit der Antike Salz gefördert. Während in unserer Heimatstadt Lüneburg das Salz in riesigen Siedepfannen gewonnen wurde, besorgt den Job hier die Sonne in den Verdunstungsbecken, bis auf das Ausheben des Grundsalzes bzw. Abheben des Flor de Sal. Das Salz gibt es in den meisten Orten zu kaufen, oft auch gewürzt.

Eine weitere Spezialität aus Navarra ist Pacharán!  Dieser kräftige Likör aus Schlehen und Anis ist sehr bleibt, und ist vielseitig genießbar, zum Beispiel als Cocktail zusammengerührt mit Sorbet von Mango o.ä; ein sehr  leckerer Digestif!

Da wir im Norden Spanien sind, wundert es nicht dass auch der Jakobsweg nicht weit ist. Doch nicht nur das - hier liegt auch die einzige „Weinquelle“, genauer ein Weinbrunnen, den die benachbarte Bodega Drache spendiert und aus der Rotwein für den müden Pilgerer fließt. Den Becher hat man ja dabei, oder bekommt ihn gleich um die Ecke in der Bodega.

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Auf dem Weg weiter nach Süden bieten sich zahlreiche weitere kleinere historische Orte, historische Brücken, beschauliche Klöster und natürlich Weingüter :-). Die meisten sind konzentriert rund um das bekannte historische Städtchen Olite, mit dem großen Palast der Könige von Navarra, und einem schönen Parador-Hotel gleich daneben. Neben der Kooperative hat sich ein neues junges Weingut im Stadtzentrum etabliert, und am fußläufig erreichbaren Stadtrand liegen weitere Bodegas, wie Ochoa oder Marco Real. Ochoa ist ein sehr dynamischer Familienbetrieb mit einem Schwerpunkt auf Reserva Weinen.

Gegenüber liegt Piedimonte, eine Winzer-Kooperation, der es gelungen ist, Leidenschaft, Technik und Terroir zu seht guten Weinen bei angenehmen Preisen zu berbinden. Marketing-Chefin Lehre nahm sich zeit für eine umfangreiche Verkostung - toller Old Vine Garnacha, und sehr gute Weine der rebsortenreinen Serie, bei der vor allem der Tempranillo überzeugt. Bis auf den Old Vine Garnacha alles Weine unter 9 Euro!

Nach dem angenehmen Tasting, das verständlicherweise viel mehr zeit als geplant verschlang, kam ich recht verspätet beim nächsten Weingut an, das ebenfalls trotz tollem Terroir zu den „Preis-Leistung“-Siegern zählen kann. Die Bodega Inurrieta liegt in einem langerstreckten Tal des Flusses Arga, der aus Pamplona kommt und weiter südlich in den Ebro fließt. Die Gegend erinnert stark an eine der besten Lagen im Duero-Tal im Ribera, die Reblagen von Inurrieta lassen sich dort gut überschauen. Das Mikroklima erzeugt kräftige, intensive Weine mit komplexer Frucht und 3-12 Monaten Barrique, und die Preise von meist 6-10 Euro zeigen, was – derzeit noch – die Region Navarra zum Geheimtipp macht.

Weiter südlich geht die Region bei Tutel dem südliche Ende zu. Hier, in der wärmeren Ebene und Nachbarschaft der großen Wüste der Bardenas Reales, finden sich aber noch einige Highlights. Dazu gehört sicher der Pago de Circus, ein edles Weingut auf historischem Grund eines Pastelles, in dem auch ein kleines aber feines Hotel untergebracht ist. Die perfekte Bleibe im Süden des Navarra!   Gleich um die Ecke liegt auch noch eine der besten Olivenöl-Fincas Spaniens, mit einer großen Auswahl auch an sortenreinen Bio-Olivenölen, Die Anlage mit vielen uralten Olivenbäumen umfasst auch einen kleinen Campingplatz. Wer lieber im Pago de Circus wohnt - es ist nicht weit, der Turm ist von der Finca aus zu sehen. Leider gibt es die Bio-Öle noch kaum in Deutschland zu kaufen - also hinfahren :-)

Auf der Rückreise Richtung Bilbao gab es noch ein weiteres Highlight: Die Hacienda de Arinzano ist ein wunderschönes Weingut auf dem Grund eines alten Adelspalastes aus dem 11. Jahrhundert, mit einer modernen neuen Kellerei, entworfen von Star-Architekt Rafel Money, und war auch das erste Weingut mit „Vino del Pago“  Klassifizierung im Norden Spaniens. Eine Ikone des panischen Weinbaus, im Zentrum mit alter Kapelle und als Logis umgebauter alter Villa; das ganze am Rande des kleinen Flusses Egal in herrlicher natürlicher Landschaft. In den Weinbergen wurde ein Panorama-Plattform eingerichtet, die atemberaubenden Rundblick bietet. Die Top Weine der Serie „Gran Vino, ob Chardonnay oder Tempranillo, sind Legende und daher auch recht teuer (70€). Den La Casona (Tempranillo/Merlot) gibt es ab 30 Euro, und es gibt auch eine Biowein-Auflage. Die Basisweine „Hacienda“  liegen bei 16 Euro.

In jedem Fall ein herrlicher Abschluss nicht nur für eine Navarra-Reise – auch unseren Rioja-Gruppen bieten wir gern diesen überraschenden Abschluss an.

Bilder zu diesem Blog sind wie immer als Album auf unserer Facebook-Seite zu finden.

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Guest
Guest Montag, 23 April 2018