Mythos Mosel - Winzer-Helden in Berlin...

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Bericht von der Mosel-Fachverkostung am 5. Juli 2015

Sonntag, Anfang Juli, brüllende, schwüle Hitze und ein Interrergio ohne Klimaanlage von Lüneburg nach Berlin...
Gegen Mittag, etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstltung komme ich an und setze mich erst einmal zu einer Riesenschorle (keine Riesingschorle !!!) ins Café, denn ich habe bereits gelesen dass das Event des Moselwein eV in einem denkmalgschützten gebäude stattfindet - und so ist es dann auch, lecker warm. Das wichtigste aber: Die Organisation durch das Internationale Weininstitut ist perfekt und die Weine durch einen großen Vorrat an Trockeneis gut gekühlt. Die offenen Fenster dorgen nicht für Abkühlung, aber wenigsten durch Abtransport von Schweissgerüchen.

Trotz Wetter haben sich etliche Wein-Fachleute eingefunden, und nach einer Stunde kann ich mich bei einem Seminar mit Sommeliere Romana Eschensberger auch erst einmal setzen...

Etwas 20 Winzer sind vertreten, eine gute Mischung aus bekannten Winzer-Größen und weniger bekannten, aber nahezu durchweg innovativen bzw. hochklassigen  Erzeugern, wie sich bald herausstellt:
Reinhold Franzen, Rinke, Wwe. Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef, Gebrüder Ludwig, Vols, Louis Klein, Kirchengut Wolf, Rebenhof, Margarethenhof, St. Urbans-Hof, Albert Kallfelz, Lorenz, Bauer, K.-J. Thul, Lehnert-Veit, Christoph Koenen, Meierer, Alfons Stoffel, Lotz, Carl Loewen, Staffelter Hof

Die meisten Winzer haben Ihre Weine spontan vergoren, ansonsten ist die Stilistik doch teils sehr unterschiedlich und die Kreativität groß!

Eine exzellente Übersicht bieten auch die Verkostungstische mit verschiedenen Themen – Das IWI hat ganze Arbeit geleistet!
Doch der Reihe nach...

Mosel, das ist in erster Linie natürlich Riesling, und zwar in seiner mineralischsten, würzigsten Form, dominiert von Rot- und Grauschiefer in teilweise extremen Steillagen - daher die prägante Werbung als "Winzer-Helden". Die kräftigen Weine mit meist hohem Säureanteil verlangen bzw. ermöglichen - ganz nach Lesart - auch nach einigem Restzucker, der Mineralität und Säure balanciert. Der "Rest" – Entschuldigung, für viele natürlich die Hauptsache - wiederum ganz nach Lesart - ist die Winzerhandschrift, die natürlich auch angelehnt ist an die Böden und die übrigen Bedingungen des eigenen Terroirs.

Vor dem obligatorischen Riesling-Marathon jedoch nehme ich mir am Thementisch "Elbling, Ausserois & Co." einige besondere Weissweine vor.
Zunächst auch wegen der Temperaturen fällt mir der sehr angenehme und leichter Elbling vom Margarethenhof auf. Mit 10,5% ein schöner leichter Sommerwein. Der Elbling kommt übrigens von der Mosel, nicht etwa von der Elbe, obwohl er bei Dresden inzwischen auch angebaut wird.

Eine weitere schöne Überraschung ist ein trockener Sauvignon Blanc 2014 vom Weingut Staffelter Hof, mit feiner CB-Nase von Gras uns Stachelbeere; weit weniger "Rielsing-artig" als die meisten deutschen Sauvignon Blancs, die oft die Herkunft aus Rielsing-Weingütern mehr verraten als die Rebsorte.


Zum Schluss fällt dann noch ein Weißer aus dem Rahmen, bei dem ich zwar den geringen Anteil Traminer herausfiltere, der sich aber als gemischter Satz von Chardonnaye entpuppt, sehr lecker, weich und fruchtig-würzig mit Anteilen Aprikose, Vanille und Noten der Burgundersorten Grauburgunder und Viognier...  Toll !


Nun aber zum Riesling!  Hier ist die Pallette sehr leckerer Vertreter, von würzig-mineralisch bis feinfruchtig sehr groß. Sehr schwer da etwas herauszupicken. An zwei Tischen stehen Terroir-Weine = Große Lagen sowie gereifte Vertreter von jung bis Anfang 90er...

Eines der vielen Weingüter mit tollen Weinen ist das Weingut Bauer in Mülheim – hier gefallen mir nicht nur fast alle Rieslinge. Aufmerksam werde ich auf den Winzer am Thementisch "Mosel in Rot", wo fast ausschließlich Spätburgunder stehen, von denen die meisten jedoch, ehrlich gesagt, wenig interessant sind. Der trockene 2011er von Bauer ist aber ein richtiges Ausrufezeichen; für die Fans der schlanken Pinots vielleicht einen Hauch zu viel Vanille, aber dennoch nicht überfrachtet und ein klassischer Pinot Noir, sehr lecker !   Auch sehr gut, dabei etwas feiner und eleganter ist der 2010 Falkenberg Spätburgunder vom Weingut Lehnert-Veit aus Piesport.

Durch die Bank gute Rieslinge, sowohl trocken als auch feinherb oder als gereifte Vertreter kommen vom Weingut Thanisch - Erben Thanisch aus Bernkastel. Der Nachbar des VDP Weingutes ist - verwirrend für viele - das in Namen und EtikettenAnmutung fast identische Weingut Thanisch - Erben Burggraef, wobei hier durch Änderungen bei Flaschen und Etikett vorsichtige Unterscheidungen unternommen wurden. Hier wird auch mehr experimentiert, mit Riesling als "Orange Wine" und fast ebenso orangem Spätburgunder - etwas für den besonders offenen und aufgeschlossenen Weinliebhaber...

Das Weingut Reis ist als innovativer Weinbaubetrieb auch noch eine Erwähnung wert, mit einem "furztrockenen" Riesling genauso wie mit Mosel-Charaktern wie dem "Moselgold" in trocken oder feinherb.

Wer denkt, alles Rieslinge der Mosel wachsen auf Steillagen, findet auch nahe am Flussbett Weine wie den 2014 Kies Riesling trocken von Lehnert-Veit, der dennoch ein gute Mineralik und Mosel-Charakteristik aufweist. Eine weitere gute Nachricht von der %-Front: Es gibt sie, die leichten Mosel-Rieslinge, wie zum Beispiel den 2014 Finesse" von Kallfelz mit 10% , oder diverse Weine vom Margaretenhof.

Gegen 18.00 Uhr bin ich stolz, als einer der Letzten "Helden" - naja so darf ich mich bei dem Wetter wohl bezeichnen - das Event zu verlassen. Später am Abend werde ich noch mit Freunden im Tiergarten in der Abendwärme schmoren, zum Glück hab ich noch ein frisches Hemd dabei. Mit den ersten Gewitter-Tropfen schaffe ich es schließlich  zum Hotel.

Apropos Unterkunft - natürlich habe ich neben zahlreichen nützlichen Kontakten für Weine, Events und Weinproben auch wieder etliche Winzer mit schönen Herbergen aufgetan, die wir Ihnen gern vermitteln! 

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