Neues von den Kiwis - New Zealand Tasting in London

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Januar in London- nach einer kleinen Reise zu unseren nördlichen Zielen wurde es Zeit für ein umfangreiches Update der Neuseeland-Weine beim jährlichen Trade Tasting in London. Kurz vorher hatte ich noch einen Wine Club besucht, für den VinTour nach Kalifornien und Deutschland auch weitere Weinreisen in Europa und Übersee plant. Doch nun zu den aktuellen Eindrücken der Fachverkostung bei den Kiwis...

Neuseeland, das ist in erster Linie Sauvignon Blanc und Pinot Noir, wobei die besten bei weitem nicht mehr aus Marlborough oder Hawkes Bay kommen müssen. Central Otago, Martinborough oder Nelson sind neue feste Größen under dem Kreuz des Südens. Während der Sauvognon Blanc sich längst vom aggressiven, spritzigen Angreifer bei vielern Weingütern zum  fruchtbetonten Schmeichler entwickelt hat, gehen beim Pinit Noir die Wege ein wenig deutlicher zum rebsorten-betonenden Stil, während mir die kräftigeren Vertreter terroir-betonter Pinots seltener begegneten; das kann aber auch an den aktuellen Jahrgängen liegen. Viele Pinots waren noch etwas jung oder allgemein etwas blass.  Beeindruckend sind vor allem weiter die Sauvignons, aber auch prickelnde Vertreter sind im Kommen, auch wenn es diese im Deutschen Markt sicher schwerer haben dürften.

Für die knapp 500 Weine von über 100 Produzenten waren auch 6 Stunden zu kurz, also beschränkte ich mich auf gut 80 Weine aus ca. 25 Weingütern. Meine Empfehlungen erhebn also keinen Anspruch auf Vollständigkeit, einige Highlight möchte ich jedem Fall nennen.

Besonders gern beginne ich prickelnd mit dem "Methode Traditionelle Brut" von Quart Reef (Cantral Otago), PN und Chardonnay, mit sehr schöner, dominanter Frucht und leichter Würze, sehr leckerer Einstieg. Auch der Pinot Noir 2012 ist sehr gut mit typischen, reifen  Erdbeer-Aromen.

Der Envoy "Spy Valley" Sb aus Marlborough vereinbart eine sehr schöne Frucht (Stachelbeers, Lychee) mit guter Säure und Länge; ein gut balancierter Wein, ideal auch zum Essen.

Berümter Klassiker: Cloudy Bay, Marlborough – der Sauvignon Blanc 2014 wie immer ein Benchmark-Wein: Cassis und Zitronengras, leichte Würue und feine Frucht, einer der reintönigsten, klarsten SB den man finden kann!  Der "Te Koko" ist die Variante aus dem französischem Barrique (aber nur max. 10% neue Fässeer); Ananas und Zitrus-Noten ganz fein eingebunden in Holz, das lediglich die Frucht hervorhebt. Wenn SB mit Eiche, dann so!  Wohl der beste Sauvignon im Holz, den ich kenne.     Etwas weniger beeindruckend der sparkling "Pelorus" (Chardonnaye mit Pinot Noir), gut aber nicht beeindruckend.

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Gute Pinot finden sich auch bei Gladstone (Wairarapa), Wild Earth und Akarua (Bannockburn 2010), Central Otago. Auntsfield Single Vineyard aus Marlborough bietet einen sehr schönen und typischen, komplexeren Vertreter.

In Blenheim westlich von Marlborough liegt das Weingut Seifried. Der aus Österreich stammende Winzer bietet neben dem Entry Level "Old Coach Road" (unter anderem schöner, leichter SB mit nur 9,5% die Estate Range und die Spitzenweine der Reihe "Aotea". Riesling, Würzer und Gewürztraminer sind im deutschen Vergleich sicher keine Schlager, punkten kann Seifried mit klassischen SB, und einem exzellenten Estate Pinot Noir (2012) mit prägnanter Frucht, Würze und schöner Länge.

 Spaß machen auch die Weine von Mission Estate, einem der Pioniere des Weinbaus in NZ. Bei nur 8ha in Eigenbesitz wird einiges für die Weine von Nachbarn hinzugekauft. Die 2013 Pinots brauchen noch Zeit, sind aber klar und fein. Die SB Weine sind spritzig und klassisch mit Gras- und Zitrusnoten, leichter Würze und etwas Apfel. Die Vineyard Selection bringt mehr Cassis und Tiefe und bleibt dabei frisch und knackig. Aus eigener Lage kommen der weiche Reserve Syrah und der rauchige Reserve Merlot, zu dem gut eine Zigarre passen würde (beide Gimblett Gravels 2013).

Ein richtiger WOW Wein kündigt sich am besten auch im Namen an: Der "Man O' War" (historischer Name für Kriegsschiffe) "Ironclad" von Weiheke Island bei Auckland ist die aufgepepte Kiwi-Version eines Bordeaux-Blend, mit Cabernet Franc, Merlot, Cabernet Sauvignon, Malbec und Petit Verdot. Er explodiert förmlich mit komplexen Aromen roter und schwarzer Früchte, gefolgt von Tabak- bzw. Kaffee-Röstaromen. Die 14,5% sind dabei fast moderat. Mit dem ebenfalls markigen "Valhalla" Chardonnaye präsentiert Man O War einen gut balancierten Weissen.

Auch Riesling findet man immer wieder, meist jedoch im Vergleich mit den deutschen Klassikern wenig beeindruckend bzw. kaum zu erkennen, oft zu weich oder doch einem SB ähnlicher. Wie bei vielen New World-Rieslingen ist das besten Erkennungsmerkmal ein mehr oder weniger deutliches Petrol-Aroma wie z.B. beim 2012 Waipara Riesling von Pegaus Bay. Hier greift man viel lieber zum zum feinen, eleganten Pinot Noir.

Eine weitere gute Adresse für Sauvignon Blanc ist Brancott Estate (Marlborough) mit seinen "Terroir" oder "Letter" Serien. Der Estate SB 2014 ist ein Klassiker, fein, elegant, mit Heu, Zitrus, und Cassisnoten, dabei schlank und ein guter "Food Wine". Die Version in Ewichenholf (Letter B) ist nicht so gut eingebunden wie bei Cloudy Bay, und Geschmackssache. Der "Letter T" Pinot Noir ist sehr selektiert, was sich in konzentrierte dunkler Kirehcn und rauchigen Noten bemerkbar macht (1 Jahr im Barrique). Sehr viel Spaß macht  der "Late Harvest" Sauvgnon Blanc, dessen Süße einer hiesigen Auslese entspricht und die dennoch mit guter Säure aufwartet.

So, wieder mal ist der Blog viel länger geworden als gedacht, ich hoffe Sie haben bis hier durchgehalten. Ich hätte noch von Sileni, Craggy Range, Matua Valley, etc berichten können. Aber besser Sie kommen in 2016 mit auf unsere Neuseeland-Tour. Dann gibt es von all dem reichlich!

Fotos vom Tasting finden Sie auch auf unsere Facebook-Seite!

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Guest Sunday, 21 January 2018