Roussillon - Weine von Frankreichs Südspitze

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Roussillon - dass ist der südlichste Zipfel Frankreichs zwischen Mittelmeer, Spanien und den Weingebieten des Südwestens. Zusammen mit dem nördlich gelegenen Languedoc bildet es das  D'Oc, das große Mittelmeer-Gebiet westlich der Rhone, das als Landwein-Appellation "Vin de Pays d'Oc" bekannt ist, bzw. bis 2009 war. Seitdem heißen die Vins des Pays (VdP) nun  "IGP" für Indikation Geographie Protegées  – es lebe die schöne neue Wein-Welt der EU…

Also, südlich des Languedoc liegt nun das Roussillon, der östliche Teil der "Pyrenees Orienatles". Hier, unter mediterranem Klima, gibt es 9 Appellationen für trockene Weine, 2 IGP-Gebiete und ganze 5 für natürliche Süßweine, die "Vins Doux Naturels".

Nachdem ich in der letzten Woche einige dieser Weine verkostet habe, möchte ich Ihnen einige davon vorstellen. Die in Deutschland bekanntesten sind sicher die Vins de Pays "Côtes du Roussillon" - wer kennt nicht die günstigen, einfachen aber oft süffigen Landweine, die ich mir als Student in der Literflasche leisten konnte… und die IGP "Côtes Catalanes" - ein Hinweis darauf, dass wir uns hier im Grunde in "Französisch Katalonien"befinden und die spanische Grenze nah ist.

Weinleibhaber kennen auch die Region ganz am Süd-Zipfel, der bereits nach Spanien hineinragt und dafür gleich zwei Appellationen auf einem Gebiet vereint: Die trockenen "Collioure" Weine und die legendären Banyuls - Süßweine!
Darüber hinaus sind die "Côtes de Roussllon Villages" Weine erwähnenswert, und auch Weine aus der AOP "Tautavel" finden sich in deutschen Regalen immer wieder als Ort-Appellation.

Die vorherrschenden Rebsorten sind Grenache Noir, Lledoner Pelut, Carignan und auch Sarah;  Mouvedre und andere Rebsorten sind in bestimmten Mengen ebenfalls angebaut wie Cinsault, Marselan, Merlot, CabSauv und CabFranc.

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Ein idealer Einstieg sind die Weine der Winzergenossenschaft "Vignerons Catalans", die eine große Bandbreite von Roussillon-Weinen Ihrer Winzer produziert. Ich selbst erinnre mich gern an einen In der Gastronomie verbreiteten Wein aus herrlichen dunklen Früchten und Noten von Marzipan, herrliche zur Ente… 
Die Vignerons Catalans beweisen, dass Kooperativen oft sehr  zu Unrecht als unattraktive Massenproduzenten eingeschätzt werden. Entscheidend ist hier die Strategie, und in Perpignan setzt man auf eine Pyramide aus Basisweinen, IGP und einer Reihe von Einzellagen und Ortslagen-Weinen.

Beeindruckend und ein gutes Lehrstück in Sachen Roussillon ist die "Les Villages du Terroir Catalan" Reihe: Sechs verschiedene Orts-Appellationen mit ganz verschiedenem Charakter, alle gleich ausgebaut, um den Charakter des Terrors hervorzuheben.

  • "Latour de France" 2008  und "Maury Sec" 2011 mit  Schieferböden und viel Potential
  • Mein Favorit "Caramany" 2010 auf Granitböden, sehr weich und komplex
  • Tautavel, frischer Wein mit Potential auf Kalkboden
  • "Lesquerde", ebenfalls Granit,  kräftig und würzig wenn auch noch jung (2012)
  • ein "Coullioure" 2012, sehr duftig und fein, fast wie ein Pinot Noir


Obwohl es auch einige schöne trockene Weissweise gibt, war doch wenig beeindruckendes dabei, vielleicht lag es auch am Hamburger Klima das ich mich mehr auf Rote und auf die Süßwein-Klassiker konzentrierte.

Da wäre natürlich zunächst der berühmte Muscat de Rivesaltes, der in verschiedenen Qualitäten daher kommt, und aus den Rebsorten Muscat des Petits Grains und Muscat d'Alexandrie gekeltert wird. Ältere, oxidierte Weine bekommen zunächst den Status "Ambré" hinweisend auf die Bernsteinfarbe, über 5 Jahre alte Ambrés  sind viel dunkler und tragen oft die Bezeichnung "Hors d'Age". Ich hatte das Vergnügen eine 1979 Ambré Grand Reserve von Dom Brial zu probieren, ein mächtiger, würziger und eichentöniger Dessertwein. Etwas leichter kam da der Ambré 2010 der Domain de la Perdrix daher. Und auch jung sind die leichten Varianten des Muscat de Rivesaltes ein Genuss, gut zu asiatischen Gerichten (süß-sauer), gereiftem Käse, Nüssen und natürlich Desserts. Die mächtigeren können auch Schokolade vertragen.

Das gilt vor allem auch für den anderen sagenumwobenen Vertreter, den Banyuls aus dem gleichnamigen Ort, der aus Grenache (50% mindestens, beim Grand Cru 75%) hergestellt wird. In der Grand Cru Version wird der Banyuls in der Sonne in Fässern oder großen Glasflaschen gereift (oxidiert).
Rivesaltes und Banyuls werden durch "Mutage", also Gärungsstop per Aufspritzen mit Weingeist gewonnen, dadurch kommen der hohe Restzucker und Alkoholgehalt zustande. Einen noch relativ schlanken Banyuls gab es bei der Domaine San Sebastien, aber dann auch zum körnenden Abschluss den "Inspiration Ardente" - eine sinnreiche Anspielung auf die Mutage dieses mächtigen Süßweines.

Fazit - Das Roussillon hat sehr viel mehr zu bieten als nur die günstigen Vins de Pays für das Studentenbudget - und ist sensorisch wie auch im wörtlichen Sinne eine Reise wert. Und wir helfen Ihnen dabei wir immer gern!

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Guest Friday, 20 April 2018