Small is beautiful: Les Vignerons Independants

by in Kürzlich verkostet
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Dass  kleine, individuelle Winzer besseren Wein machen, ist sicher nicht unbedingt richtig: Schließlich verleiht Größe oft zu Investitionschancen für die Qualitätssteigerung, und selbst die ganz großen Weinproduzenten erlauben sich neben den Massen-Weinen auch ganz besondere Perlen und Lagenweine.

Was die französische Vereinigung der "Vignerons Independants"so interessant macht, ist die Eigenverantwortlichkeit der Winzer, vom eigenen Weinberg bis zur eigenen Abfüllung und Vermarktung der Weine. So ist die individuelle Handschrift des Winzers garantiert. Wir durften gerade auf der "Roadshow" der Vignerons Independents einige spannende Weine und besondere Winzer kennen lernen. Von den ca. 30 Winzern habe ich mir ein paar schöne Empfehlungen herausgesucht.

Meinem kürzlichen Besuch der Loire folgend, machte eine Verkostung neuer Weinzer und Appellationen Sinn. Die Winzerfamilie "Gitton Pere & Fils" sitzt nahe Sancerre, und baut neben einem sehr harmonischen Wein aus Mischlagen viele reine Lagenweine aus Kalk, Kalmergel und Feuersteinböden an, mit frischer, klarer Textur; Noten von Zitrus, Gras und Stachelbeere zeigen Terroir und Rebsortencharakter; der hervorragende "Les Eschenaux" reift  im 600l "Demi Muid" Fass 6-9 Monate, so bleibt das Holz selbst im Hintergrund und hebt lediglich die schöne Frucht hervor. Der Clos Joanne d'Orion Marnes" ist ein Pouilly-Fumé, gewachsen auf Kalmergel, die Frucht mit Noten von Apfel und leichter Exotik. Ein weitere sehr schöner Vertreter der Appellationen von und um Sancerre !

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Weiter westlich an der Loire in der winzigen Appellation "Menetou-Salon" sind ebenfalls Sauvignon Blanc und Pinot Noir die einzigen erlaubten Rebsorten für den AOP Status. Hier erzeugt die Domaine de L'Ermitage auf Kalk und Kalk-Lehmböden frische, junge Pinots wie für die Region typisch, sie erinnern ein wenig an Beaujolais Villages, sind auch ebenso geeignet für den leicht gekühlten Genuss – aber eventuell nicht so faszinierend für Pinot Noir - Puristen. Wesentlich eindrucksvoller ist der Sauvignon des Weingutes: Überraschend aromatisch, mit toller Frucht von Zitronen und Clementinen, dabei weich und rund, ohne dass Holz benutzt wurde, frisch mit leicht mineralischem Abgang. Perfekt zum Essen oder einfach so.

Wie den Verbrecher zurück an den Tatort, so trieb es mich für den weiteren Schwerpunkt wieder einmal in den Südwesten, in die Gascogne, Heimat von Colombard und Ugni Blanc, von "Floc" und Armagnac, – und  nach Buzet, also in die nördliche Gascogne, wo der Rebsortenspigel ähnlich ist wie in Bordeaux. Das Chateau du Frandat erzeugt sowohl Buzet-Weine wie auch Armagnac, da es in der nördlichen Region Armagnac-Tenareze liegt.

Der Einstiegswein des Chateau aus Merlot, CabSauv und CabFranc begeistert durch klare saftige Erdbeer-Aromen, und macht seinem Namen "Enchantment" alle Ehre. Ebenso klar (ohne Holz-Ausbau) aber gesetzter kommt der klassische "Chateau du Frandat" daher, kräftig und strukturiert. Der "Majorat" 2009 mit 80% Cabernet Sauvignon und 20% Merlot aus französischem Barrique ist noch einmal würziger mit dunkler Frucht und etwas dunker Schokolade. Das französische Eichenholz braucht man normalerweise in Frankreich nicht extra betonen; der "Privilege" wird jedoch in amerikanischer Eiche galagert, und unverkennbar erinnert auch die Machart des Weines an tolle Kalifornier - allerdings für einen Bruchteil des Preises. Der "Neue Welt" Effekt funktioniert also auch anders herum!

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Am Nachbartisch hatte ich mich vorher an ein paar schönen Gascognern erfrischt, die schönste Variante sind hier für mich die Landweine (IGP) aus den lokalen Sorten Colombard und Ugni Blan. Die Domaine Les Remparts kombiniert aber auch gern mit Sauvignon Blanc, eine beliebte Assemblage, die hier beim 2013er in der Nase deutliche "Gummibärchen" - Aromen zeigte, dann doch sehr trocken daherkam, die Frucht dabei aber behielt.  Der rote IGP aus klassischen Bordeaux-Sorten von 2013 kommt jung, frisch und sehr zugänglich daher, ein leckeres leichtes Vergnügen, bei Roten nicht selbstverständlich.

Eine Eigenart der Region ist der "Floc de Gascogne", eine gern als Aperitif getrunkene Mischung aus Traubensaft und zugesetztem Armagnac; er gilt zwar als Süßwein, ist aber dennoch eher trocken im Geschmack, mit einer leichten, ungewohnten Würze, die teils durch mindestens 10-monatige Lagerung im Fass, aber auch der Kombination aus Armagnac- und Traubenaromen geprägt ist. Den Floc (occidentalisch für "Fleur=Blume) gibt es in weiss und in rot.

Den Schluss der Verkostung muste somit der Armagnac bilden. Oft mit Cognac verglichen, wird Armagnac jedoch nur in einer Destillation (kontinuierliche Destillation) hergstellt, und arbeitet sich langsam aus dem Schatten des Cognac hervor. Die kleinen Produzenten stellen auch nicht die hier als Massenware bezeichneten Varianten des "VS" oder "VSOP" her sondern bevorzugt Jahrgangs-Armagnac. So durfte ich mich vom 1994 über den 1985er des Chateu du Frandat durchnippen, bis zum 1975er von Les Remparts. Die jüngeren sind durchaus schon ein Erlebnis, aber mit der Reife nehmen die Aromen von kandierten Nüssen, Mandeln und Früchten zu, ein wahrer Genuss!  

So waren am Ende wieder einige Regionen Frankreichs bevorzugt auf meiner Liste, aber alles geht halt nicht, und es kommen auch wieder andere Schwerpunkte...  demnächst in diesem Blog... 

Weitere Bilder im Übrigen auch wie immer auf unseren Facebook-Seiten !

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Guest Friday, 20 April 2018